Elterninitiative fordert: „Rückkehr zum Abitur nach 9 Jahren“

03.05.2015 – 12:45 Uhr – Haben Sie Kinder im schulpflichtigen Alter? Besuchen Ihre Kinder ein Gymnasium? Mit Abitur nach 8 Jahren oder eines mit gymnasialem Abschluss nach 9 Jahren?

Wenn auch Sie festgestellt haben, dass das so genannte Turbo-Abitur nach 8 Jahren Ihren Kindern erhebliche Probleme bereitet, Nachmittagsunterricht und Hausaufgaben kaum noch außerschulische Freizeitgestaltung zulassen und sich Ihre Kinder zunehmend 7 Tage in der Woche mit Lerninhalten und Projekten der Schule beschäftigen müssen, befinden Sie sich in guter Gesellschaft mit fast 100.000 Bürgerinnen und Bürgern, Eltern und Großeltern, die sich an der Volksinitiative G9 jetzt! beteiligt haben.

Mit diesen Unterschriften zwingen die Unterstützer der Initiative den Landtag NRW, sich erneut mit diesem Thema zu beschäftigen.

Erstaunlich wie unterschiedlich Politiker, Verbände und Lehrergewerkschaften sowie Medien auf eine solche Initiative reagieren. Während zunehmend andere Bundesländer langsam aber deutlich zum Abitur nach 9 Jahren zurückkehren, Sportvereine, Musikschulen und beispielsweise auch der Feuerwehrverband deutliche Rückgänge von Jugendlichen in diesen Bereichen feststellen, versuchen verantwortliche Politiker die negativen Entwicklungen, durch die unseren Kindern und Jugendlichen ganz einfach Zeit zur persönlichen Entwicklung und Reife gestohlen wird, schön zu reden.
Die Ergebnisse eines runden Tisches, bei dem sich sogar die Landeselternschaft sang- und klanglos über denselben hat ziehen lassen, sollen Besserung bringen… Weniger Hausaufgaben, weniger Nachmittagsunterricht sollen es richten. Betrachtet man die zu vermittelnden Lerninhalte, scheinen einige Protagonisten des „Runden Tisches“ bereits über erhebliche mathematische Defizite zu verfügen. Rechnerisch sind die Ergebnisse des Runden Tisches ohne Kürzungen der Lerninhalte schier unmöglich. Und eine defizitäre Bildung will Frau Löhrmann doch wohl auch nicht? Was will Sie dann? Na, ganz einfach: Sie will die Gymnasien zerschlagen und damit eine flächendeckende Platzierung der Gesamtschulen mit einem Abi nach 9 Jahren erzwingen. Ein durchsichtiges Manöver, gute Bildungspolitik sieht aber anders aus.

Das dokumentieren letztlich auch die 100.000 Unterschriften der Volksinitiative mit der Forderung zur Rückkehr des Abiturs nach 9 Jahren.

Und was sagen die Medien zur Volksinitiative? Die Berichterstattung ist durchweg positiv, bis auf wenige „Ausreißer“ wie beispielsweise die Rheinische Post, deren „G8-Spezialist“ Frank Vollmer schon in seinen Berichten kaum Zweifel aufkommen lässt, wie wenig er von der Volksinitiative und deren „Begehren“ hält. Während zunehmend sogar Umfragen von Printmedien durchgeführt wurden, und auch der WDR umfassend berichtete, hält Vollmer an seiner Haltung fest. Dabei versteigt er sich sogar in einem Kommentar in der Rheinischen Post am Tag nach der Übergabe der 100.000 Unterschriften an die Landtagspräsidentin und einer zugegeben auch in der Wortwahl deftigen Darstellung des Sprechers der Initiative, Marcus Hohenstein, mit Vergleichen, die am demokratischen Verständnis des Journalisten Frank Vollmer zweifeln lassen.

In seinem Kommentar vom 21. April 2015 äußert er sein Befremden, über den „Anspruch der Initiative für die überwältigende Mehrheit zu sprechen“ und führt dazu aus: „Umfragen sind keine Grundlage für einen Politikwechsel – gottlob, denn die Folge wäre Chaos. Und in der Folge vergleicht er dann den Auftritt in der Landespressekonferenz als „Eskalationsrhetorik…, die man derzeit allzu oft höre, etwa montags in Dresden…“

Letzteres ganz sicher eine Entgleisung, die sich auch ein Journalist nicht erlauben darf. Wenn er sich auch darauf zurückzieht, dass er „nur“ die Rhetorik gemeint habe.
Seine Bemerkung zum Thema Umfragen ist allerdings bemerkenswert, schon deshalb, weil er sich Journalist nennen darf. Erstens handelt es sich bei den Unterschriften um keine Umfrage, sondern um eine Willenserklärung. Zweitens stellt sich nun die Frage, ob ausschließlich der Auftraggeber einer Umfrage für deren Seriosität entscheidend ist. Und da steht der Journalist Frank Vollmer leider nicht alleine. Sind nur die Umfragen für mögliche Politikwechsel geeignet, die durch Regierungen beauftragte Institute und Stiftungen erstellt wurden? Beispiele dafür gäbe es genug. Sind Umfragen und beispielsweise Volksinitiativen, die in unserer Landesverfassung ausdrücklich vorgesehen sind, weniger wert? Wenn das so wäre, müssten sich Politiker und Demoskopen keine großen Gedanken mehr machen, warum die Wahlbeteiligungen nicht selten nur noch gegen 50% gehen. Vielleicht wäre das einmal eine große Berichterstattung in der Rheinischen Post wert, womit auch ein einzelner Journalist sein Demokratieverständnis auch öffentlich wieder zurecht rücken könnte.

Und was die Volksinitiative G9 jetzt! angeht, lohnt es sich, sie auch weiterhin zu unterstützen. 30 Wochenstunden Unterricht plus Hausaufgaben sind für unsere Schülerinnen und Schüler genug. Lassen wir ihnen die notwendige Zeit zum Lernen und ihrer persönlichen Entwicklung. Und dies in einer 5 Tagewoche, die nicht nur für Schüler, sondern auch für Arbeitnehmer durch deren Verbände und Gewerkschaften vor langer Zeit erkämpft wurde.

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