Mönchengladbach – der Mob hat wieder zugeschlagen

Dienstag, 17. Februar 2015 – 16:50 Uhr – Während Hunderttausende ausgelassen und friedlich Karneval feierten, nutzten offensichtlich unbelehrbare Gewalttäter getarnt mit Masken und „Maleranzügen“ das Bundesligaspiel Mönchengladbach gegen Köln für das, worauf es ihnen ankommt: Krawall, Randale, Gewalt.

Vor den laufenden Kameras der Medien zündeten sie Bengalos, stürmten aufs Spielfeld. Dort trafen sie auf hoffnungslos überforderte Ordner, die sofort von den Chaoten angegriffen wurden. Erst der Einsatz starker Polizeikräfte konnte diese offenbar von Hass und blinder Lust an Gewalt geprägten Typen stoppen.

Zuvor hatte der Manager des 1. FC Köln die verbalen Exzesse dieser Menschen zu spüren bekommen. Beleidigungen übelster Art ließen ihn zu dem Schluss kommen: „Die erreicht man nicht mehr“. Und nachdem die Lage bewältigt war, meinte ein Vertreter von Borussia Mönchengladbach, es sei an der Zeit, dass solche Typen ihre Chefs anrufen müssten, um denen zu erklären, dass sie nicht zur Arbeit kommen könnten, da sie „sitzen“ müssten.

Beiden Vertretern kann man nur zustimmen, denn diese Chaoten verstehen nichts anderes mehr. Und, noch viel wichtiger, es gilt tausende Fußballfans, Fangruppen und Familien mit Kindern zu schützen. Zu schützen vor dem Abbrennen von Bengalos, Schießen mit Leuchtraketen, Körperverletzungen und Massenpanik.

Ein Blick ins Strafgesetzbuch (StGB) und die Strafprozessordnung (StPO) helfen da weiter, „Gutmenschen“ und „Ignoranten“ sollten in sich kehren und damit aufhören, das Strafrecht als untaugliches Mittel zu verteufeln.

Wir benötigen auch keine neuen Gesetze, wir sollten zunächst mal das konsequent anwenden, was wir haben. Zugegeben der § 125 StGB (Landfriedensbruch) wurde in den vergangenen Jahren solange reformiert, dass man den Eindruck gewinnen konnte, er sei auf ein Niveau reduziert worden, damit man ihn ja nicht anwenden muss bzw. kann. Dennoch, für den „TV-Star“ vom Wochenende, der bei laufender Kamera erst einem Ordner mit brutaler Gewalt in die Beine sprang, danach weiter um sich schlug, reicht diese Rechtsnorm aus. Ob gegen ihn trotz klarer Beweislage das Beschleunigte Verfahren nach § 417 StPO und/oder gar die Hauptverhandlungshaft nach § 127b StPO angeordnet wurde, ist nicht bekannt. Ich bin gespannt, ob die Medien das weiter verfolgen. Denn gerade dieses Instrumentarium ist wie geschaffen, wenn es darum geht, in Fällen der mittleren Kriminalität „die Strafe auf dem Fuße“ folgen zu lassen. Das beschleunigte Verfahren ist allerdings – auch das gilt es zu beachten – an den Tatort gebunden.

Mit diesen Möglichkeiten unseres Rechtssystems sollte man es mal versuchen und nicht immer wieder dieselben brotlosen Debatten um die Kostenbeteiligung der Vereine an den Polizeieinsätzen aufzuwärmen. Auch die Strafen der DFL, ob es nun Geldstrafen an die Vereine oder Geisterspiele sind, treffen die Fußballfangemeinde und nicht diese Chaoten. Man muss es nur wollen. Dazu gehören Staatsanwälte in die Stadien, vor Ort, wie es in einigen Städten bereits seit Längerem üblich ist. Und natürlich Richter, die nicht wie allgemein üblich an Wochenenden nur bis 11.00 Uhr erreichbar sind, sondern auch nach Spielschluss. Auch das dürfte kein Problem sein.

Eine ordentliche Verurteilung, übrigens auch zu kurzen Freiheitsstrafen ohne Bewährung, treffen die Verursacher selbst und setzen abschreckende Zeichen. Ja, man glaubt es kaum, aber auch kurze Freiheitsstrafen ohne Bewährung sind möglich. Erst recht, wenn es sich – wie bei einer Vielzahl von Straftätern dieser Art – um Wiederholungstäter handelt.

Ein kleines, aber durch die Politik hausgemachtes Problem gibt es allerdings. Die jüngst vereinbarte Regel, nach der Chaoten nicht durch die für den „Tatort“ zuständige Justiz sanktioniert werden sollen, sondern durch die Justiz an deren Wohnsitz. Eine solche Verfahrensweise mag auf den ersten Blick für die Beurteilung des Beschuldigten Vorteile haben, für eine schnelle Verurteilung mit scharfen Sanktionen ist sie eher kontraproduktiv. Allein der Vorgangslauf, der Austausch von Informationen nehmen Zeit in Anspruch, in der der Beschuldigte bereits neue Straftaten verüben kann.

Und, ein wenig sarkastisch, bei „englischen Wochen“ werden es Polizei und Justiz schwer haben, den Taten überhaupt nachzukommen…

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